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Warum das Jobcenter dringend reformiert werden muss

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Wenn ich Artikel wie diesen hier lese, fühle ich mich an meine Jobcenter-Zeit zurückerinnert. Ganz abgesehen von der unfassbaren Tragödie, die sich dort abgespielt hat, mag ich auf ein paar Punkte eingehen. Im Spiegel-Artikel steht z.B.:

Als sie am 19. Mai vergangenen Jahres um 8.30 Uhr ins Rhein-Main Jobcenter in der Mainzer Landstraße geht, hat sie seit Tagen kein Bargeld. Die Hartz-IV-Leistungen sind nicht auf dem Konto, sie muss schwarz mit der Bahn fahren, hat Hunger. Im Zimmer 22, dem Büro ihres zuständigen Sachbearbeiters, setzt sie sich und legt ihre Stofftasche auf den kleinen Beistelltisch. Sie fragt nach ihrem Arbeitslosengeld, zehn Euro würden reichen. Der Mann gibt ihr kein Geld, fordert sie auf zu gehen.

Da ich selber mal 9 Tage auf mein Geld warten musste und in dieser Zeit nur 4,50€ zur Verfügung hatte, kann ich nachempfinden, wie die Frau sich gefühlt haben muss. Wenn man von den ALG-II-Zahlungen abhängig ist und das Jobcenter aus fadenscheinigen Gründen, aus Machtgeilheit oder einfach nur aus dummer Unverschämtheit der Frau die Zahlung verweigert, ist man aufgeschmissen. Wenn man dann noch ein Kind zu versorgen hat, kann ich sehr gut verstehen, dass man mit der letzten Kraft zum Jobcenter geht und sich vornimmt dort nicht zu gehen, bis man Geld bekommen hat. Geld das einem zusteht.

Christy Schwundeck bleibt sitzen. Sie will erst gehen, wenn sie Geld hat. Der Sachbearbeiter ruft den hausinternen Sicherheitsdienst. Christy Schwundeck bewegt sich nicht vom Platz. Der Sachbearbeiter ruft den stellvertretenden Teamleiter, der sieht in die Akten und bietet ihr einen Lebensmittelgutschein in Höhe ihres Anspruchs für den Monat Juni an.

Einen Lebensmittelgutschein, statt Leistungen, die ihr demzufolge zustehen? Wie menschenunwürdig müssen sich Jobcenter noch verhalten, damit da endlich mal ein Aufschrei durch die Bevölkerung geht? Und dann immer diese Behandlung, wie wenn Jobcenter-Mitarbeiter die Leistungen von ihrem eigenen Geld bezahlen müssten. Immer der Hinweis, dass man nur im Interesse des Steuerzahler handele. Wenn ich da an den Ehrensold denke, den Herr Wulff bekommt, zusätzlich dazu noch Geld für Sekretärin, Fahrer und ein Büro, dann tut es mir Leid, wenn mir im Vergleich die erwähnten 10€ einfach nur lächerlich erscheinen.

Auch wenn es von der Frau nicht in Ordnung war, den Beamten zu verletzen, der mein vollstes Mitgefühl hat, trägt meiner Meinung nach dieses Jobcenter eine erhebliche Mitschuld an dieser Situation und somit auch am Tod der Frau.

Written by benniswelt

März 23, 2012 um 09:55

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