Bennis Welt

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Warum (fast) vegan?

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Seit kurzem versuche ich mich vollständig vegan zu ernähren, was zeitweise schwer fällt, zeitweise gar nicht. Ich denke es wird mit der Zeit besser. Ich habe in letzter Zeit doch sehr viel von Bekannten, Freunden und meinen Eltern zu hören bekommen, wahrscheinlich machen sich alle einfach nur Sorgen wegen der ihr unbekannten bzw. ungewohnten Ernährungsform oder verstehen meine Beweggründe nicht, aber keiner hat mich explizit nach dem „Warum“ gefragt. Das will ich mit diesem Beitrag, in dem ich meine zum Teil doch radikalen Veränderungen versuche so genau wie möglich zu beschreiben, ändern.
Wie es genau angefangen hat kann ich nicht sagen, der Weg zum Vegetarier war eigentlich ein langsamer mit vielen kleinen Schritten über die Beschäftigung mit dem Thema Lebensmittel, Gentechnik und der Politik drum rum. Danach folgten der konsequente Umstieg auf Bio Lebensmittel was nur durch meine neue Arbeit und dem nötigen Geld möglich war. Dass Karin sich selber um ihr Essen kümmern musste und ich das in unserer Beziehung nun auch gelernt habe, hat wohl auch dazu beigetragen. Ich denke es ist einfach wichtig Verantwortung zu übernehmen und sich gezielt Gedanken zu diesem neuen Bereich machen zu müssen.
Nun folgten eine intensive Auseinandersetzungsphase mit dem Thema, Filme wie Leben außer Kontrolle, We feed the world und Earthlings haben sicherlich ihren Beitrag geleistet um Silvester 2006 nun den entscheidenden Schritt weg vom Fleischkonsum hin zum Vegetarismus zu machen, weil ich nicht aktiv an der Ausbeutung der Tiere und unserem Planeten teilnehmen wollte, bzw. so wenig wie möglich.
Dokumentationen wie Ware Tier, oder das zweite Mal ansehen von We feed the world haben mich in meiner Entscheidung weiter gestärkt. Es ist einfach grausam und unvorstellbar welches Leid wir den Tieren und dem Planeten durch unseren „Luxus“ und unsere „Lust“ auf totes Tier antun. Dazu noch völlig unnötig, denn der Mensch braucht kein Fleisch zum Überleben, es ist wohl eher sein Untergang. Wenn die Abholzung des Regenwaldes für den Anbau von Sojabohnen für die Tierfuttermittelproduktion in diesem Ausmaß weitergeht, wird es ihn wohl bald nur noch in Erzählungen geben. Die Umweltverschmutzung durch Massentierhaltung tragen den Rest dazu bei den Planeten so schnell wie wir nur können zu zerstören. Dieser Verantwortung muss sich wohl jeder Fleischesser erst bewusst werden, um zu verstehen was der oben genannte „Luxus“ in Wirklichkeit mehr kostet als die 1.99€ für das Kilo Ente im Discounter. Aber genug Moralapostel gespielt, weiter zum eigentlichen Thema.
Nach einer weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema kam ich zur Erkenntnis, dass für Milch und Eier genauso viele Tiere sterben müssen wie für das Fleisch selber. Milch und Sahne zu ersetzen fiel nach einigen Reinfällen bei der Soja-/Reismilch gar nicht so schwer wie zuerst angenommen, es gibt sogar viele Sorten leckeren Sojajogurt (Soja aus nachhaltigem Anbau), also von Verzicht kann keine Rede sein, eher vernünftiger und freiwilliger Abstand zu Lebensmitteln die anderen Lebewesen und uns selbst Schaden und Leid zufügen.
Kuchen und Eis fällt zwar immer noch schwer, aber es gibt so viel Kuchen ohne Ei und Pudding, Sahne, etc. kann man ja mit Sojaprodukten genauso erschaffen wie mit „normaler“ Milch. Auf Familienfeiern ist das zwar nicht ganz so einfach, aber mit ein bisschen Willenskraft geht das schon🙂 Ei lässt sich zum Beispiel auch durch andere Mehlsorten ersetzen.
Bis auf die Pizza hier und da und ab und zu ein Eis, geht das auch schon ganz gut und eigentlich vermisse ich nichts und wenn ich doch noch Lust auf irgendwas verspüren sollte, denke ich daran was es für Auswirkungen hat und dann geht das. Vielmehr hat sich mein Geschmackshorizont schon merklich erweitert und ich bin erstaunt wie viele leckere Dinge ich noch nicht kannte.

Seit diesem Jahr habe ich mein Gewicht von 82kg auf 75kg verbessert, Muskeln aufgebaut und meine Haut hat sich sichtbar zum Besseren verändert. Vor Mangelerscheinungen habe ich keine Angst, Eiweiß und andere Nährstoffe nimmt man ja mehr als genug auf, mein Hämoglobin Wert war beim letzten Blutspenden bei 17,4, Karins bei 14, also reichlich Eisen vorhanden. Lediglich Vitamin B12 scheint in der westlichen Welt wegen übertriebener Hygiene abhanden gekommen zu sein, das kann man aber durch angereicherte Sojamilch und Sojajogurts ausgleichen und dann gibt es ja noch Multivitamin Säfte. In anderen Teilen der Welt wie Indien und China scheint B12 kein Thema zu sein, mal schauen ob es in der nahen Zukunft dazu noch weitere wissenschaftliche Erkenntnisse gibt. B12 ist aber kein Problem das nur Vegetarier haben, genausowenig wie Eisenmangel. Viele Wissenschaftler bescheinigen der vegetarischen/veganen Ernährung eine deutlich bessere Wertigkeit bei der gesunder Ernährung, als der uns bekannten westlichen.

Mir ist in der kurzen Zeit so viel klar geworden wie in meinem ganzen Leben bisher noch nicht und für mich gibt es keinen Weg zurück, denn ich bin der festen Überzeugung den richtigen Weg für mich gewählt zu haben, davon kann mich niemand abbringen. Und ich hoffe ein bisschen Verständnis erzeugt zu haben und eventuell sogar den einen oder anderen zum Nachdenken angeregt zu haben, bei Fragen stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung🙂

Written by benniswelt

April 2, 2007 um 20:50

Veröffentlicht in Essen, Main

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15 Antworten

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  1. Frage *meld*
    Woher kommtn Soja, sprich wo wirds angebaut?🙂
    Schönen Abend!

    petra

    April 3, 2007 at 21:12

  2. Der Taifun Demeter Tofu besteht zu 50% aus Sojabohnen aus Deutschland, der Rest stammt aus einem Fair-Trade-Projekt mit brasilianischen Kleinbauern.
    http://taifun-tofu.de/de/sojaanbau/taifun_tofu_leitlinien.php?NID1=2&NID2=1&NID3=0

    Von Alpro heisst es hier:
    http://www.alpro-soja.de/natur-unsere-zukunft.html

    „Keiner der landwirtschaftlichen Betriebe, von denen wir Sojabohnen beziehen, befindet sich auf gerodetem Regenwaldgebiet, und alle Landwirte, mit denen wir zusammenarbeiten, respektieren den natürlichen Fruchtwechsel. Um dies zu gewährleisten – und um möglichst gesunde Produkte zu garantieren – wendet Alpro ein komplexes Rückverfolgbarkeits-Programm an, das vom Landwirt bis zum Endprodukt weit über die erforderlichen Standards hinausgeht.“

    Bei Provamel, also der Bio Sparte von Alpro:
    http://www.provamel.com/deutsch/provamel-soja-gmo.htm
    http://www.provamel.com/deutsch/provamel-soja-gmo2.htm

    Benni

    April 4, 2007 at 10:12

  3. Cool, danke!

    petra

    April 4, 2007 at 12:36

  4. now you belong to us! listen to some hardcore!

    minor threat

    April 4, 2007 at 19:03

  5. I’m a person just like you
    But I’ve got better things to do
    Than sit around and fuck my head
    Hang out with the living dead

    minor threat

    April 4, 2007 at 19:04

  6. Aber ist das nicht ökologisch schlechter, wenn das Soja aus Brasilien kommt also hergeschifft werden muss, als wenn du als Vegetarier Produkte aus Mitteleuropa konsumierst? Nur so als Frage….

    Hannes

    April 9, 2007 at 02:24

  7. Das ist natürlich eine schwierige Frage, sinnvoller wärs natürlich und sollte auch am Ende das Ziel sein, aber ob das so einfach ist kann ich dir leider nicht sagen.
    Für die jetzige Zeit belasse ichs bei der „Ausrede“, dass durch den Verzicht auf Fleisch der Schaden sehr minimiert (allein ein Mastrind benötigt 3,5t Soja, da kann ich viel Tofu essen) wird wie zusätzlich durch die Einschränkung des Autobenutzens, Mülls, Stromverbrauchs etc. Was man halt noch so nebenbei unternehmen kann.

    Benni

    April 9, 2007 at 07:38

  8. Sorry, aber ich fragte, ob es nicht ökologischer ist Vegetarier zu sein und damit Produkte aus Mitteleuropa zu essen, als Veganer zu sein und Produkte aus Brasilien zu konsumieren. Deshalb ist der Vergleich mit dem Mastrind nicht richtig, denn als Vegetarier ist man ja kein Rind. Sorry, aber das wollte ich noch sagen.

    Hannes

    April 10, 2007 at 01:00

  9. Dann muss die Ökologie einfach hinter der Ethik anstehen für mich, wenn du nur diesen Unterschied betrachten willst. Dafür spar ich ja wieder andere Energie die zum Melken, Käse produzieren, etc. verbraucht wird ein. Man wirds wohl nicht so pauschal sagen können was jetzt besser ist, aber auch wenn der Unterschied größer wär, glaube ich nicht dass es für mich ein Beweggrund wäre, wieder Milchprodukte zu essen, vom gesundheitlichen Aspekt mal ganz abgesehen. Und wenn ich meinen Käse/Milchkonsum mit dem Sojakonsum von jetzt vergleiche, ist der ungefähr ein Drittel, denke es wird sogar ökologischer sein als vorher.

    Wenn man noch bedenkt, dass der Bauer ohne Taifun/demeter vielleicht normalen Soja anbauen würde und somit die Umwelt weit mehr zerstören würde, ist es vielleicht sogar ganz sinnvoll Tofu zu essen.

    Benni

    April 10, 2007 at 07:51

  10. sorry klappt nicht. für die gewinnung von milch und allem was daraus gemacht wird, entsteht ein vielfaches an resourcen-bedarf im vergleich zur ernährungs-effizienz von veganischer nahrung.

    ökologie und ethik muss sich also nicht streiten : )

    allerdings wären kühe von natur aus mit solarzellen ausgestattet…

    unwissendheit

    März 10, 2008 at 12:06

  11. Findest du es nicht ein wenig unethisch, Solarkühe zur Stromgewinnung einzusetzen?😉

    Benni

    März 10, 2008 at 12:23

  12. Benni, du sprichst mir mit deinen Berichten zu (fast) veganer und ethischer Kaufentscheidung aus dem Herzen.
    Habe mich seit einiger Zeit auch mit der Problematik beschäftigt und vor ein paar Wochen den Beschluss gefasst, mein Konsumverhalten mehr oder weniger radikal zu ändern.
    Ich habe vorher eigentlich alles gekauft und gegessen, was mir so unter die Finger geriet, und nun versuche ich mich fast ausschließlich vegan zu ernähren und bei jedem Kauf/Verhalten zu überlegen, ob das nun ethisch vertretbar ist oder nicht.
    Ausschlaggebend dafür, mich mit dem Thema zu beschäftigen, waren bei mir auch einige Filme wie z.B. We feed the world, oder der allgemeine Bio-Boom momentan. Habe mich vor dieser Phase schon intensiv mit Menschenrechten auseinandergesetzt, und bin dann so wahrscheinlich darauf gekommen, mich mal genauer zu erkundigen welche Auswirkungen bestimmte Dinge auf Lebewesen und Umwelt haben.
    Mich schmerzt es auch immer wieder, wenn Freunde oder mir nahestehende Personen mir mit Unverständnis begegnen und man sich immer wieder „rechtfertigen“ muss, warum man nun so leben will. Ein Totschlagargument ist natürlich immer wieder, dass man dann auf das oder dies oder jenes auch achten müsste. Ich versuche schon auf sehr viele Dinge zu achten, aber 100% ethisch korrekt zu leben ist denke ich nicht möglich, solange man nicht auf wirklich fast alles Liebgewonnene verzichten möchte.
    Momentan beschäftige ich mich sehr mit Ernährung, da man dies ja nunmal am meisten konsumiert, aber auch mit Kleidung, Schuhen, Kosmetik, Putz-/Waschmitteln, und frage mich bei jeder Kaufentscheidung, ob ich das nun wirklich brauche und es ethisch vertretbar ist.
    Mein großes Problemkind ist die Computerindustrie. Ich studiere Informatik und bin außerdem schon fast süchtig nach allen möglichen elektronischen Spielereien und Gadgets. Wie ich das handhaben werde, weiß ich noch nicht wirklich, aber bei den Dingen, wo ich mich bewusst und ohne Einschränkung auf „Luxus“ für die meines Erachtens bessere Variante entscheiden kann, werde ich das auf jeden Fall tun und habe dies in den letzten Wochen so auch schon umgesetzt.
    Es gibt auch Initiativen zur Verbesserung der IT-Industrie, und ich hoffe, dass sich da etwas bessern wird.
    http://makeitfair.org/
    Zu 70% faire Webcams und USB-Hubs gibt es zumindest bei http://www.unitedpepper.org/ Das Design ist allerdings nunja etwas gewöhnungsbedürftig, aber es ist ein Anfang.🙂

    Susanne

    März 27, 2008 at 00:58

  13. Hallo Benni,

    vielen Dank für den Tip mit der Provamel-Sojamilch mit Regenwald-Schutz.
    Genau das selbe Dilemma hatte ich nämlich in den letzten Wochen auch.
    Hatte schon mit dem Gedanken gespielt wieder Kuh-Milch zu trinken.
    Denn ich wollte nicht auf meine geliebten Frühstücks-Bio-Vollkornflakes
    verzichten.
    Aber jetzt werd ich mich gleich auf die Suche machen, wo es bei mir
    die Provamel-Bio-Milch gibt.
    Vielen Dank noch mal für den Tip🙂

    Gruß Kerl

    Kerl23brb

    März 4, 2009 at 14:19

  14. kleine Ergänzung:

    Ich würd es natürlich auch viel besser finden wenn die Sojabohnen für die Bio-Sojamilch
    in Deutschland angepflanzt würden, aber da die Milchkühe ja das Vielfache an Sojabohnen
    futtern, was ich in meiner Bio-Sojamilch trinke, reduziere ich die Sojabohnen-Transporte aus Brasilien ja so viel besser.

    Weiß eigentlich jemand ob die deutschen Bio-Bauern auch Bio-Sojabohnen aus Brasilien an ihre Milchkühe verfüttern dürfen, oder müssen Bio-Milchkühe auf der Wiese stehen und Gras fressen (wie es sich gehört)?

    Gruß Kerl

    Kerl23brb

    März 4, 2009 at 14:26

  15. Ich weiß nur, dass Hexerküche, die machen Tofu, ausschließlich deutsche Sojabohnen verwendet.

    Provamel gibts in jedem Bioladen oder Reformhaus.

    benniswelt

    März 7, 2009 at 18:42


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