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Gentechnik, die neuen Softwarepatente

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Die Gentechnik hat sich in den letzten Jahren eher in der Versenkung befunden und niemand hat sich wirklich damit beschäftigt, da man naiv davon ausging, dass das Essen was man kauft natürlich vom „Bauern nebenan“ angebaut wird und gar nicht schlecht sein kann. Mit dem einsetzenden Bio Boom und des langsamen „Erwachsenwerdens“ der Bevölkerung, quasi eine Entwicklung zum „mündigen“ Käufer hat die Lebensmittel in ein neues Licht gerückt. Plötzlich interessiert man sich dafür, wie die einzelnen Bestandteile der Ernährung angebaut werden, wieviele Pestizide oder andere chemische Stoffe zum Einsatz kommen, unter welchen Bedingungen die Produzenten arbeiten müssen, welchen Einfluss unsere tägliche Geiz-Mentalität auf die Welt wie wir sie kennen hat. Und wir kommen langsam zur Erkenntnis, dass selbst im Nahrungmittelbereich – oder vielleicht auch gerade hier – die Profitmaximierung der Unternehmen vor dem Wohl des Konsumenten stehen. Die Unternehmen forschen kräftig in den Laboren um zu versuchen, die Pflanzen noch schöner, noch größer zu machen, die Pflanzen schneller wachsen zu lassen, sie resistent gegen das Pestizid aus dem eigenen Unternehmen zu machen. Klingt alles ganz nett, ist es aber nicht, denn was dabei zu kurz kommt, ist die Gesundheit der Konsumenten, die Achtung vor der Natur (beim Eingriff in die Gene und beim verantwortungslosen Umgang mit Giften) und zu guter Letzt der Geschmack, das, für mich zumindest, wichtigste bei der Nahrungsaufnahme. Offensichtliche Probleme wie die Wirkung auf Tiere, die Wirkung auf Nutztiere (eine Studie zum BT-Gift hat ergeben, dass die Anzahl der Nutztiere bei BT-Mais erheblich verringert wird und sogar bestimmte Tierarten ausgerottet werden [1]), die Wirkung auf die Natur (einmal in freier Wildbahn ist die gentechnisch veränderte Pflanze unwiderbringlich dem Lauf der Dinge unterworfen, da sie resistenter und stärker als natürliche Pflanzen ist, werden die natürlichen Pflanzen verdrängt. Also führt Gentechnik unweigerlich zu einer Verminderung der Artenvielfalt) und weniger offensichtliche Probleme, wie zum Beispiel Langzeitwirkungen auf Lebewesen (wer haftet für Krankheiten, die erst nach einigen Generationen durch Veränderung der DNA entstehen), werden vergessen, ignoriert und müssen der Profitgier einiger weniger Unternehmen wie Monsanto, Syngenta, Bayer, Nestlé (um nur ein paar zu nennen) weichen.
Bei sovielen negativen Auswirkungen müsste man eigentlich denken, dass die Politiker, die den Auftrag haben den Volkswillen zu vertreten, die Interessen des Volkes zu wahren und die Bürger des Staates zu schützen, sich gegen eine Einführung von Gentechnik wehren. Einige werden schon jetzt laut schreien, dass das Politiker sowieso nichts tun was gut für die Bürger ist und wieder einmal haben sie recht, teilweise zumindest. Wenn man die Antworten der CDU Bundestagsfraktion liest, dann fühlt man sich schnell wieder an die lange und hitzige Debatte um Softwarepatente zurückerinnert. Anscheinend ohne zu denken blubbert das Marketing der Gentechnikindustrie aus den Abgeordneten heraus. Herr Dr. Reinhard Göhner geht sogar soweit und behauptet ohne Gentechnik könnte man die Weltbevölkerung heute und in Zukunft nicht ernähren. Um auf das letzte mal ein wenig näher einzugehen sei gesagt, dass laut World Food Report der Vereinten Nationen derzeit problemlos 12 Milliarden Menschen, also das doppelte der derzeitigen Weltbevölkerung ausreichend mit Nahrungsmittel versorgt werden könnten. Jeder Hungertote auf der Welt, jedes an Hunger sterbende Kind, ist sogesehen eigentlich Mord. Selbst die EU Kommission zweifelt an den angeblich so sicheren Lebenmitteln [2].
Beim neuen Gesetz zur Gentechnik, das Herr Seehofer maßgeblich erstellt, soll unter anderem Haftungsfragen bei Verunreinigung gentechnisch freier Felder regeln. Auch hier wurden zuerst nur die Wünsche der Industrieriesen berücksichtigt und unter großem Protest der Bevölkerung wesentliche Änderungen eingebracht.
Und wieder einmal stelle ich die Frage, warum die Politik bei solchen essentiell wichtigen Themen jedesmal erneut versagt, warum Politiker ab einem bestimmten Machtanteil plötzlich vergessen was für einen Beruf sie ausüben.

[1] Studie zu Mais mit BT Gift
[2] Zweifel der EU Kommission

Written by benniswelt

August 13, 2006 um 16:45

Veröffentlicht in Essen

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