Bennis Welt

Pirat, Physiker, Free Software Nerd

Politisches Desinteresse oder Selbstunterschätzung?

with 9 comments

In der letzten Zeit fällt mir auf, wie viele Leute einfach sagen, „da kann man sowieso nichts daran ändern“, “ als ob du da was ändern könntest“ oder „so war Politik schon immer“. Gerade bei großen Lobbyschlachten wie den Softwarepatenten oder der Vorratsdatenspeicherung hat sich dieser Unmut breit gemacht, obwohl es Themen betroffen hat bzw. betrifft die uns allen wichtig sind. Wer zum Beispiel hätte gerne gesehen, dass seine Lieblingssoftware aufgrund eines von Großkonzernen eingeforderten Trivialpatentes aus dem Netz verschwindet, wer hätte es gerne gesehen, wenn er plötzlich teure Software kaufen müsste aus dem vorher genannten Grund, wer als Informatiker konnte bei den Vorschlägen die dem Europa-Parlament vorlagen nicht total aus der Fassung geraten. Richtig, einen Großteil meiner Freunde hat das Thema überhaupt nicht interessiert und der kleine Rest wusste nicht, wie man sich gegen die anscheinend übermächtige Lobbymacht der Großkonzerne wehren kann.
Es scheint als wäre die Bedeutung des Begriffs Demokratie (griechisch δημοκρατία, von δήμος, démos – Volk und κρατία, kratía – Macht, Herrschaft, Kraft, Stärke) völlig verloren gegangen. Jedoch konnten wir bei der Softwarepatentfrage durch eine riesige Menge an Briefen, E-Mails, Faxen und persönlichen Gesprächen die Richtlinie zu Fall bringen. Ein Beweis dafür, dass Demokratie doch funktionieren kann, wenn man nur will.

Bei der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung das selbe, zuerst das Ungläubige „Sowas kommt niemals durch“, „Das kann man nicht machen“ zu der alle Orwellschen Gedanken des Überwachungsstaats übersteigenden Richtlinie. Jedoch hat sich durch die breite Zustimmung des Europa-Parlaments gezeigt, dass man die totale Überwachung auf Kosten der Betroffenen durchaus durchsetzen kann, ohne dabei irgendwelche Hemmungen haben zu müssen, diverse verfassungsgegebenen Grundrechte zu ignorieren.
Hätten wir hier den gleichen Aufwand betrieben, wie wir es damals bei den Softwarepatenten gemacht haben, dann wäre es durchaus denkbar gewesen, die in 3 Monaten vom Entwurf durchgeboxte Richtlinie zu verhindern oder zumindest größeres Medieninteresse zu schaffen. Das deutsche Volk ist aber viel zu lethargisch für so etwas, da macht man sich lieber über Leute lustig die versuchen das Wohl aller zu retten, als das man seinen eigenen Arsch hochbekommt und selber etwas unternimmt. Aber wie sollte man als Deutscher, der noch nie politisches Mitspracherecht hatte auch auf den Gedanken kommen etwas zu tun. Meckern ist stets einfacher…

Written by benniswelt

Dezember 16, 2005 um 09:46

Veröffentlicht in Main

9 Antworten

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  1. Die Demokratie im Sinne der – wiedermal – ollen Griechen hat so aber nie wirklich funktioniert weil dann der Pöbel geherrscht hätte. Also die reine Herrschaft des Volkes ist sehr sinnlos. Das gilt auch heute noch, hör Dich am Stammtisch um ^^
    Was das Wohl aller ist ist Definitionssache…
    Was red ich eigentlich *g*

    petra

    Dezember 19, 2005 at 13:07

  2. Also ich würde ja eher so was in Richtung des Schweizer Modells bevorzugen.

    Benni

    Dezember 19, 2005 at 14:36

  3. Alle stellen sich hin und diskutieren über alles und dann müssen sich alle daran halten? Das ist ja eher ein Modell nach Rousseau, volonté générale. Nur eben ohne die Sache mit dem Eigentum. Oder?

    petra

    Dezember 20, 2005 at 17:54

  4. ne, der Staat überlegt Entscheidungen und die Bürger stimmen drüber ab. Nicht so wie es jetzt ist, dass irgend ne Lobby gerne ein Gesetz hätte und das in 3 Monaten durchgeboxt wird.

    Benni

    Dezember 20, 2005 at 18:06

  5. Na viel Spaß damit *grins*
    Da kommt nix Gutes dabei raus, ich möcht net unbedingt von den Entscheidungen gewisser Leute abhängen, auch wenn das vielleicht die Mehrheit im Lande sein mag. Ich denk schon, daß gewisse Entscheidungen getroffen werden müssen die vielleicht zunächst gegen den allgemeinen Willen gehen (ich denk jetzt an Wi Politik) einfach weil es jemand der n bißchen Ahnung hat besser überblicken kann und sieht daß der Weg den die Masse jetzt grad toll findet ins Chaos bringt.
    Dann müssten wir erst mal gescheiten Unterricht über Politik und Zusammenhänge, Diplomatie, Wirtschaft etc an der Schule haben sodass das auch wirklich jeder mitentscheiden könnte. Wenn wir das aber hätten wären doch eh schon viele Probleme gelöst…

    petra

    Dezember 20, 2005 at 18:19

  6. also ich habe irgendetwas gegen selbsternannte oder vond er Uni kommenden „Experten“ die dann über das entscheiden was ich tue.

    Benni

    Dezember 20, 2005 at 23:38

  7. Und ich hab was gegen Leute, die Folgen von Entscheidungen mangels Ahnung net absehen können aber nun mal leider die Masse der Menschen ausmachen🙂

    petra

    Dezember 21, 2005 at 15:42

  8. Das können Politiker aber auch nicht. Da trau ich der arbeitenden Bevölkerung ein Stück mehr zu was so Sachen wie Mehrwertsteuer, Eigenheimzulage, Pendlerpauschale etc. betrifft.

    Benni

    Dezember 21, 2005 at 19:17

  9. Dann bist Du, was das angeht, eindeutig optimistischer als ich *g*
    Oh, ja die meisten Politiker könnens entweder nicht oder handeln net danach…

    petra

    Dezember 21, 2005 at 22:38


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